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Montag, Juli 30, 2007

23.54 noch Monday

Augenpartie juckt - Arme jucken - Hals juckt ... mit restlicher spezial
Creme aus dem Kühlschrank eingecremt.
Noch eine Allergietablette eingeworfen. Abwarten was passiert,
möglichst nicht kratzen, aber es fällt schon wieder sehr schwer nicht
hinzulangen, dort wo es juckt, und jucken tut es überall, an mehreren
Stellen.
Wieder eine nächtliche Hautjuckattacke. Diesmal nur mit dem einen
Unterschied, ich bin nicht durch das Kratzen aufgewacht, sondern
ich lag bis jetzt wach und ging meinen Gedanken nach.
Oder vielmehr meine Gedanken gingen sich in mir nach, sodass ich
weinte, weil es wehtat, ich nicht sicher bin, weiterhin das Richtige
bzw. das zu tun, was mir gut tut, und alles dass, was mir schadet,
oder mir ein schlechtes grübeliges Gefühl gibt, in Zukunft zu
vermeiden.
Mir kam die Formulierung in den Sinn, mit Geschenken überhäufen
und mit den Füßen treten. Ich hatte das Gefühl, das bringt die Sache
auf den Punkt. Aber wer will schon mit Geschenken überhäuft und
gleichzeitig und das ist das Schlimme g l e i c h z e i t i g dabei
getreten werden.
Oder die Formulierung ' der Feind in meinem Bett ' !!

Beides drückt so inetwa das Gleiche aus ... und beides scheint nicht
gesund zu sein, zumindest nicht für mich !!

Ich versuchte in mich reinzuhören, ohne Hintergrundton, keinen
Fernseher laufen zu haben, sondern nur dazuliegen und sich selber
hören, was sagt mir mein Innenleben, wie reagiert es.

Ich hör(t)e meinen Bauch grummeln, arbeiten ... nur was hat(te) er
heute zu verarbeiten, ausser Medikamente. Denn ich habe den gesamten
langen Tag überhaupt nichts gegessen, fiel mir ein. Nur Kaffee und Saft
getrunken !! Mein Bauch knurrt(e) u.a., weil er Hunger hat(te) !!

Grad wusch und schnitt ich mir eine gelbe Paprika auf, das sollte als
kleine Mahlzeit zur Nacht langen. Noch ein Glas mit Saft, denn trinken
ist wesentlich wichtiger als Essen.
Das Glas ist leer, ich hol mir noch eines mit Saftwassergemisch.

Meine Gedanken beschäftigten sich mit der Vergangenheit. Dachten,
wie empfindlich, dünnhäutig ich doch nur bin, sensibel, mir alles so
sehr zu Herzen nehm.
Ich sah mich am Schalter stehen, in Berlin, in der Müllerstr., alleine
und es war so anstrengend, ich konnte mich kaum mehr auf den
Beinen halten, aber immer standen viele kräftige Leute, Kunden,
vor mir und ich musste sie bedienen und das tun was sie wollten.
Ich war so schwach, aber habe dennoch durchgehalten. Stehen,
die ganze Zeit stehen, bücken, heben, tragen, schleppen, lange ... !

Aber irgendwie war es nicht so schlimm, aus der Sicht von heute,
was ich danach hier erlebt habe. Mit den Menschen, vorallem erlebt
habe. In Berlin war man eingebettet, zumindest eine zeitlang, auch
wenn es anstrengend war und es Neider, Gucker, Faule, Drückeberger,
Schwätzer gab, es war anders. Gerechter ? Korruptionsloser ?
Ehrlicher ? Aufrechter ? Es war irgendwie dann doch ein Miteinander.
Ich war eine Mitläuferin, stimmt ja auch, denn ich bin immer in den
vorhandenen Dienstplänen mitgelaufen, da ich ja Springerin war.
Nur in der Müllerstr. war ich länger, waren es 8 Wochen ? Es war
zumindest mein letztes Postamt, in dem ich gearbeitet habe, damals
als Springerin. An einen der letzten offiziellen Arbeitstage in dem
Amt, wieder mal ein telefonischer neuer Einsatzort, für die Zeit, wo
ich schon längst weg sein würde, garnicht mehr auf deren Gehalts-
liste stehen würde, aber der Anruf .... !!
Eine ältere Kollegin, dem Alkohol verfallen, ihres Aufgabenbereiches,
ihres Postens schon längst durch eine Ostkollegin enthoben, aber
immer noch da, Berlinerisch menschlich da, aber dennoch vorsichtig
geworden :
Kleine, nein, hör auf, lass das nicht mit dir machen,
du hörst doch auf, du hast doch schon garkeinen Vertrag mehr, die
denken nicht nach, setzen dich immer weiter ein, selbst wenn du
schon längst nicht mehr auf deren Gehaltsliste stehst. Es kümmert doch
keinen, die brauchen nur Leute, damit die Arbeit gemacht wird, wer
sie letztendlich macht, ist denen doch egal, du zählst da nicht. Die
interessiert es nicht, wie du leidest, wie du mit deiner Ängsten, Sorgen,
Nöten umgehst, ob du deine Miete morgen noch bezahlen kannst,
wichtig ist denen nur, das der Laden läuft, du als Mensch, bleibst auf
Strecke.
Eine Kollegin, da mir noch zeigte, dass sie mich irgendwie mag .... !!
Aber schon längst selbst in sich zerbrochen, durch die äußeren Um-
stände ... !!

Jey, es ist Vollmond. Vielleicht kann ich deshalb nicht schlafen und
ich komm vom Hundersten ins Tausende in meinen Gedanken.
Vor ca. einer Stunde stand der Vollmond noch ganz tief, hinter einem
Baum versteckt, sodass ich ihn noch nicht als Vollmond sehen konnte.
Nun aber, steht er hoch oben am Himmel und scheint durch die
Jalousieritze auf mich runter. Er grinst mich beim ersten Blick an,
und sagte, Hallo Du, du schaffst das schon !
Jetzt spiegelt sich die Welt in ihm, es sieht aus, als ist er ein Globus.
Ein weißer Globus mit einer graufarbenen Welt. Es sieht schön aus,
interessant.

Ich seh mich wieder am Schalter stehen, diesmal in der riesigen
Lagerhalle, wo provisorische Posttische aufgestellt wurden, weil
das riesige alte Postamt umgebaut wurde. Wir haben damals auf
einer Baustelle gearbeitet, zwischen Staub, Schutt und Asche.
Staub und Schutt stimmt, Asche gab es keine, oder doch ??
Es war auch anstrengend, sich die Beine in den Bach zu stehen.
Ich stand am Schalter, an einem Tag, war ich wieder schwach,
müde, konnte mich irgendwie kaum aufrecht halten. War wohl
kreidebleich im Gesicht, zumindest sagte man es mir, dass ich blass
aussehen würde. Aber es war auch so. Es war in dem Postamt, wo
wir, ich erfuhr, dass die Verträge nicht verlängert werden sollten,
aber ich denk, es war erst später. Aber dennoch war ich noch klar
denkend, gern ?!??, in diesem Amt, dort haben viele jüngere Leute mit
mir zusammen gearbeitet. Ich war immer zurückhaltend. Immer ruhig.
Immer zu ruhig. Aber nur einige haben gelästert, hinter vorgehaltener
Hand, auch olle Schachteln, alte Postler, die man all die Jahre über,
hinter verschlossenen Türen gehalten hat und die sich jetzt der
Öffentlichkeit preisgeben mussten, weil Kunden ganz nah waren, hi hi !!

An einem Tag in diesem Postamt war die Zeit der Sonnenfinsternis, wo
man zu diesem Zeitpunkt nicht ohne eine spezielle Brille nach draussen
gehen und schauen durfte. Ich glaube, es heißt Sonnenfinsternis. Es
kommt nicht oft vor, alle Jahre mal wieder ???
Zumindest war es ein Ereignis. Einige hatte glaube ich, diese UV Brillen
und gingen nach draussen, ich immer zwischen Schalter, Arbeit, Schritt
zur Tür in Richtung Luft und Blick nach draussen. Es war schon eine
schöne Zeit damals. Spannend aufregend, zumindest immer was los.
Und ich mittendrin, immer unter Leuten irgendwie. Kollegen, die ich
nicht kannte, die mich nicht kannten, Kunden, die mich auch nicht
kannten, die ich nicht kannte, wer kannte da schon wen ?
Die Arbeit stand im Mittelpunkt, es wurde abgearbeitet, denn es war
nur ein abarbeiten, ständig Sachen regeln, die nicht funktioniert
haben, Kunden überwiesen, bzw. verschickten ins Ausland Geld,
zum Beispiel mit Western Union, welches mal wieder nicht ankam.
Extra Expresssendungen, teuer bezahlt, die nie angekommen sind,
gerade im Auslandsverkehr klappte kaum was. Ich konnte immer nur
versuchen, Infos zu bekommen, rumzutelefonieren, alles lief über
Telefon, man hatte tausend Nummern, die angerufen werden mussten,
bei solchen Reklamationen. Der gesamte Ablauf bestand fast nur aus
nicht funktionierenden Dingen, die wie schon gesagt, geregelt werden
mussten, unter Zeitdruck wohlbemerkt.
Denn es wurden Statistiken über jeden Vorgang geführt, über Kunden-
frequenzen, die wiedergeben sollten, wann, zu welcher Uhrzeit die
meisten Kunden am Schalter stehen usw., damit man dementsprechend
die Öffnungszeiten legen konnte. Früher, länger, später .... !!
Die Statistiken wurden von den Verantwortlichen manipuliert, wenn es
absehbar war, dass es noch mehr Nachteile für die Festangestellten
bringen würde. Und alle Statistiken die dort laufend neuerdings geführt
werden mussten, brachten früher oder später Nachteile für die Leute.
Also wurde manipuliert was das Zeug hält. Oder auch aus Gründen,
weil man gewisse Arbeitsabläufe nicht mehr so genau nachvollziehen
konnte, was da genau abgelaufen war.
Genauso, wie wir die verschiedensten laufenden Listen aus Zeitmangel
erst später vervollständigen konnten, dachte man sich halt irgendwas aus.
Nur um die Bürokratie zu frieden zu stellen.

Und das alles nach 10 Tagen Crashkurs.
Waaas ? .. sie sind gar keine gelernte Postlerin, dass merkt man garnicht,
sie machen das so gut.
TschJo, nicht nur einmal wurde ich von dem Fußvolk, dem Mann der
Straße gelobt, erstaunt, dass es sowas gibt.
Ja, das gab es, nicht nur einmal.

Mit Speck fängt man Mäuse ?
Mit Lob halten sich die Leute länger ?
Spekulatives Lob ?
Wohl dosiertes Lob, berechnendes Lob !
Scharf kalkuliertes Lob !
Schmieren wir ihr mal wieder bisschen Zucker ums Maul !!
Dann funktioniert sie wieder, so blöde wie die ist !

So eine geringschätzige Aussage brachte der Mann von der Straße
nicht. Der Mann von der Straße meinte es ernst, mit dem was er
sagte. Da er selbst ein hart arbeitender Mensch war.

Solche Aussagen kommen von anderer Seite.
Ich will nichts mehr hören ! Will einfach nichts mehr hören !

Ich will meinen Seelenfrieden einfach nur noch zurück ... !
Sollen andere sich die Kartoffeln ernten, die sie glaub(t)en, selbst
gesäht zu haben und weiterhin mitmischen, wo es noch was zu
mischen gibt. Solange bis sie eines Tages tod umfallen werden,
von der Habgier, von dem Ehrgeiz zerfressen, der sie getrieben hat.

Am Ende steht dann doch wieder nur der Anfang.
Hilflosigkeit und auf andere angewiesen sein im Alter, oder aber
auch schon viel früher.
Das Leben, so ein Leben ist schnell gelebt.
Das geht in Nullkommanix vorbei.

Eine zeitlang mischt man in fast allen Bereichen mit, man versucht es
zumindest, zu überleben, sich zu profilieren, verliert sich in der
Arbeit, denkt nicht nach, was kann passieren, was ist morgen, man
lebt drauflos ohne Nachzudenken. Arbeitet, genießt die Freizeit,
unternimmt, tut, macht, macht sein eigenes Ding, schlägt Leuten
vorm Kopf, geht skrupellos durch diese Welt, denn ich lebe, will
hier und jetzt und heute alles haben, machen, wollen, können,
dürfen, ich habe ein Recht auf Leben, ich bin jetzt jung ....Jetzt !!

Aber dann auf einem Mal, urplötzlich vorzeitig, wie aus dem Nichts,
etwas unangenehmes, vorher nie Gekanntes, wie Unfall, Krankheit
eintritt, es einen von der einen Sekunde auf die andere komplett aus
dem vorherigem Leben katapultiert, dass total die Richtung verloren wird.
Erkennen muss, wie hilflos der einst so stark geglaubte Mensch doch wird,
und werden kann, auf andere angewiesen sein zu muessen, wie alles
um ihn herum zusammenbricht, in sich zusammenfällt, das ganze Leben
sich schlagartig verändert und nichts dagegen tun kann, aber auch
garnichts tun kann, sondern sich erstmal in die Obhut anderer
Menschen begeben muss.
Mit sich, seinem ICH, seiner eigenen Gesundheit konfrontiert wird, wie
schnell doch alles vorbei sein kann ... dann eventl. erst, wachen Leute
auf, die glaubten für sich alles gepachtet zu haben und erkennen vielleicht,
was wirklich wichtig am Leben ist, nur selbst das LEBEN an sich selbst.

Sich gesund zu fühlen, sich bewegen zu können, atmen zu können,
Keinigkeiten kriegen vielleicht eine herausragende Bedeutung.

Aber sobald es wieder besser geht, entwickeln sich urplötzlich
die alten Eigenschaften zurück.
Vielleicht kommt der alte Geist zurück, wenn gleich, bzw. obwohl,
die Hülle sich aber komplett verändert hat, sich umstrukturieren musste
und sich hat.
Aber der Geist, die Seele glaubt, die alte Form wieder angenommen zu
haben, sie es aber dennoch nicht hat und vielleicht nie mehr haben wird ?!?

Dann erst treten ungeahnte, niemals in Betracht gezogene Schwierigkeiten
auf, die es zu bewältigen gilt.

Niemals für möglich gehaltene Situationen, Momente, Emotionen, Ängste
entstehen, die gemeistert werden wollen :

Scheitern, an dem Verlangten, nicht mehr ausführbarem, früher einmal mit links bewäligten Dingen, zuletzt an sich selbst .. ,
weitermachen, aufgeben, weiter kämpfen, verzweifeln,trauern, ungerecht werden, bösartig, hilflos ...verzweifelt, unverstanden, um sich schlagend, verletzend werdend,
bewusst, unbewusst, .... E m o t i o n e n ... die wohin wollen, nicht unterdrückt
sein wollen, sich in irgendeiner Art und Weise ihren Weg suchen werden, sei es
wieder in einer körperlichen Reaktion an anderer Stelle des Körpers - aber sie
werden sich früher oder später ihren Weg suchen und diesen dann deutlich
zeigen ... und somit eine neue Baustelle eröffnen ..... !!




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